Leseprobe Wolfhard – Der Knappe

Vorläufige Leseprobe – Änderungen möglich.

Prolog

1128 – 1130

Plainburg

Einige Tage später rief Graf Liutold seine vertrauten Ritter zu sich auf die Burg, Thomas und Wolfhard standen zwischen ihnen, in der großen Halle.

„Herzog Heinrich hat mir einen Boten gesandt“,… begann Liutold als sich das Stimmengewirr etwas beruhigte.

„Heinrich bittet mich und meine Ritter zum Turnier nach Würzburg zu kommen.“

Ein Raunen erfühlte die Halle. Hochrufe und einige Verwünschungen waren zu hören.

„Wer soll euch begleiten“, fragte Siegfried von Raschenberg.

„Last mich euch begleiten Herr“, bat Jakob von Thurn.

Liutold schaute zu seinem altgedienten Kämpfer.

„Diesmal nicht mein alter Freund, du musst hier nach dem Rechten schauen, wenn ich in Würzburg bin“, antwortete der Graf dem alten Raufbold.

 Jakob blickte zu Boden. Liutold legte seine Hand auf Jakobs Schulter.

„Ich brauche dich hier.“

Jakob nickte.

„Wir Ihr wünscht, Herr.“

Jakob hatte schon seinem Vater treu gedient, der Ritter war schon Steinalt und kam ohne Hilfe nicht mehr auf sein Ross. Aber als Burgverwalter machte ihm keiner etwas vor.

„Solange Roderich hier noch sein Unwesen treib, möchte ich, Burg und Leute nicht ungeschützt lassen“, fügte der Graf hinzu.

„Ich habe mir überlegt ich nehme eure Söhne mit nach Würzburg.“

„Verzeih Herr“, warf Jakob ein.

„Wollt ihr nicht erfahrene Ritter mit auf die Reise mitnehmen? Unsere Söhne sind bestimmt nicht feige. Sie haben schon einige Zweikämpfe bestritten, aber das waren alles faire Kämpfe nach allen Regeln. Es waren immer Edelleute. Aber auf so einer langen Reise, weiß niemand was passiert“, kritisierte Siegfried.

„Eure Söhne können Ruhm und Ehre erlangen“, wiedersprach Luitold.

„Nimm wenigstens eine erfahrenen Ritter, von uns mit“, schlug Manfred vor.

„Ich kann eure Bedenken verstehen“, überlegte der Graf.

„Aber wie soll ich mich entscheiden, wenn soll ich von euch mitnehme? Soll ich den schnellsten mitnehmen? Oder den Stärksten? Oder den Schlausten? Sagt mir wer?“, fragte Luitold.

Er schauten jeden seiner Ritter dabei in die Augen.

„Nimm Thomas mit“, schlug Martin vor.

„Er hat schon auf Turnieren gekämpft. Er hat schon Wegelagerern geschlagen, kennt Waffen und kann Rüstungen reparieren.“

Luitold dachte darüber nach.

„Und er kann kochen“, schlug Bruder Kajetan vor der gerade die Halle betrat.

Luitold nickte.

„So sei es.“

„Bruder Kajetan euch wollte ich auch mitnehmen, ich wollte später zu euch kommen“, sagte Luitold.

„Danke mein Sohn ich passe, ich bleib hier. Luitold runzelte die Stirn, er war Wiederrede nicht gewohnt.

„Willst du damit sagen das du meinen Wunsch ablehnst“, fragte Luitold verärgert.

„Nein mein Sohn, ich kann nicht, meine Augen sind schlechter geworden, mein Rücken schmerzt und meine Füße wollen auch nicht mehr“, antwortete Kajetan traurig.

Kajetan überlegte.

„Ich kann euch ein Schreiben für Bruder Lorenz im Kloster Tittmoning aufsetzen. Ich habe ihn vor ein paar Monaten in Reichenhall im Kloster getroffen. Er hat auch wie ich in Mainz studiert, er wird euch bestimmt begleiten, wenn ich ihn bitte.

„Ich schicke ihm eine Boten mit deinem Brief“, freute sich Luitold.

„Aber zuerst müssen wir Wolfhard zum Knappen ernennen“, verkündete Liutold.

„Bereitet alles für die Zeremonie vor, morgen haben wir einen neuen Knappen“, beendete Liutold die Zusammenkunft.

Die Zeremonie

Am nächsten Tag stand die Sonne hoch über der Plainburg, und ein milder Wind strich über den Burghof, als wollte er selbst Zeuge dessen sein, was nun geschehen sollte. Das Banner des Hauses Plain bewegte sich ruhig im Licht des Tages, und unter ihm hatten sich die Männer versammelt, Ritter, Knechte und Knappen, dicht beieinander, doch in respektvollem Abstand zu dem jungen Mann, der im Mittelpunkt stand. Ein wenig abseits standen Thomas, Iwo und Farouche.

Die Wölfin lag ruhig neben Iwo, doch ihre Ohren zuckten bei jedem Geräusch. Etwas lag in der Luft, etwas, das sie nicht verstand. Ein leises Knurren löste sich aus ihrer Kehle, kaum hörbar, aber voller Spannung. Iwo kniete sich neben sie und legte behutsam die Hand auf ihren Nacken.

„Ganz ruhig altes Mädchen“, flüstert Iwo ihr zu.

Iwo streichelte sanft ihren Kopf um sie zu beruhigen und notfalls sie im Nacken zu packen, falls sie etwas missversteht und jemanden angreifen würde.

In diesem Moment trat Graf Liutold vor. Sein dunkles Wams hob sich deutlich vom hellen Stein des Hofes ab, und an seiner Seite ruhte das Schwert seines Vaters. Sein Blick war ruhig, aber schwer von Bedeutung, als er den jungen Wolfhard musterte.

„Komm näher, Wolfhard von Plain“, rief er mit fester Stimme.

Wolfhard trat vor. Für einen kurzen Augenblick schien die Welt um ihn stillzustehen. Dann sank er auf ein Knie. Sein Atem ging ruhig, doch in ihm arbeitete es.

Sein Gesicht ernst, die Knie leicht zitternd. Liutold blickte ihn lange an, dann zog er das Schwert. Farouche wurde noch unruhiger. Ihr tiefes knurren wurde lauter. Iwo kniete sich zu ihr runter und legte beide Arme um ihren Hals.

„Ist gut deinem Freund passiert nichts“, versuchte Iwo sie zu besänftigen.

„Du hast dich als würdig erwiesen. Mit Mut, Treue und offenem Herzen bist du deinen Weg gegangen.“

Er legte die Klinge auf Wolfhards rechte Schulter. Die Wölfin war kurz davor sich los zu reißen. Iwo hatte alle Mühe sie fest zu halten. Ihr unbändiger Wille ihren Freund zu beschützen spürte Iwo. Wolfhard drehte sich zur Wölfin. Schaute ihr tief in die Augen und senkte langsam seine flache Hand Richtung Boden.

„Es ist alles gut“, flüsterte er.

Farouche wurde sofort ruhig, sie entspannte sich und Iwo atmete auf.

Luitold räusperte sich.

„Können wir weiter mache“, fragte er etwas ungehalten.

Wolfhard schaute ihn an und nickte verlegen.

„Im Namen des Hauses Plain und im Geiste unserer Väter erhebe ich dich hiermit zum Knappen.“

Ein Raunen ging durch die Menge. Liutold legte ihm ein neuen Wappenrock über die Schultern, rot und blau geteilt, mit dem weißen Flügeln darauf. Thomas trat von der Seite an Luitold heran, auf einem Seidenkissen in den Händen lag ein Kurzschwert in einer Lederscheide. Luitold zog das Kurzschwert aus der Scheide und übereichte es Wolfhard.

„Möge es dich auf deinem Weg beschützen und deine Ehre verteidigen“, sagte der Graf feierlich.

„Mögest du dich als Knappe bewehren und als Ritter deinen Namen ehren.“

Wolfhard nickte.

„Ich werde Euch nicht enttäuschen, Herr Graf.“

Luitold zog ihn auf die Füße. Er legte ihm, den Schwertgürtel mit der Lederscheide um und nahm ihn in die Arme. Wolfhards Freunde jubelten, Farouche stürzte auf ihn zu, er kniete sich zu ihr runter und sie leckte ihm über die Wangen.

„Alles ok, es ist nichts geschehen.“

Wolfhard nahm sie in die Arme und drückte sie an sich. Er genoss den wilden Geruch seiner Freundin.

Nachdem die Zeremonie beendet war und Wolfhard seinen neuen Rang als Knappe empfangen hatte, trat Thomas auf ihn zu. Mit einem Lächeln sagte er:

„Das Schwert habe ich für dich geschmiedet, mein Junge.“

Wolfhard machte großen Augen. Er zog das kunstvoll gearbeitetes Kurzschwert, dessen Griff mit einem feinen Wolfskopf verziert war aus der Scheide.

„Möge es dir treu dienen und dich beschützen.“

Wolfhard nickte stumm, überwältigt von der Bedeutung dieses Moments. Er hielt das Schwert fest in den Händen und spürte, wie seine neue Rolle nicht nur eine Ehre, sondern auch eine große Verantwortung bedeutete. Am folgenden Tag fieberten die Leute auf der Burg dem kommenden Auszug der Ritter entgegen. Es wurden Pferde geputzt, Zaumzeug repariert und Wäsche gewaschen.

Wolfhard und Thomas standen in der Schmiede und flickten Rüstungen und Kettenhemden.

„Danke mein Junge das du uns hilfst“, bedankte sich Thomas schwitzend.

Christian stand am Blasebalg und pumpte sich die Seele aus dem Leib.

„Das mache ich gerne, aber du musst dir leider einen neuen Lehrjungen suchen, ab morgen tausche ich Hammer und Amboss gegen Schwert und Schild“, brachte Wolfhard schwitzend hervor.

„Ein Junge aus dem Dorf, sein Vater war vor einigen Tagen bei mir und bat mich seinen Sohn zu nehmen“, sagte Thomas.

„Wir werden sehen“, warf Christian ein.

Wolfhard schaute zu Farouche hinüber die wie immer, wenn er in der Schmiede arbeitete, neben dem Holzstapel lag und döste.

„Sie hat es gut, in der Sonne liegen, ab und an Kleinwild jagen und mit Hetzer rumtollen“, sagte er beiläufig zu Thomas.

„Versuch es doch auch mal“, erklang auf einmal hinter ihm eine sanfte Stimme.

Wolfhard drehte sich um und fragte.

„Was, mit Hetzer rumtollen?“

„Nein Kleinwild zu jagen“, erwiderte die Stimme.

Wolfhard wischte sich den Schweiß aus Stirn und Augen und sah sie jetzt genauer. Vor ihm stand Justine, sie trug ein grünes Kleid das perfekt zu ihren Augen passte. Ihre rotblonden Haare schmiegte sich bis zur Taille an ihren wundervollen Körper.

„Mach den Mund zu“, flüsterte Thomas.

Thomas wusste das sich die beiden sehr gerne hatten. Er liebte Wolfhard wie einen Sohn. Er schaute seine Tochter an, die verlegen auf Wolfhard nackten, verschwitzten Oberkörper schaute. Er sah zu Wolfhard der seinen Blick nicht von seiner Tochter nehmen konnte. In dem Moment wusste er seine Tochter war kein Mädchen mehr und Wolfhard kein Junge. Er verdrehte die Augen,

Herr hilf mir, was soll ich tun, bat Thomas in Gedanken.

„Sehen wir uns heute Abend beim Abschiedsfest“, fragte Justine keck. Wolfhard konnte nur ein Wort hervorbringen.

‚Ja“, stammelte er.

Warum fragt sie mich das, wir sitzen doch jeden Abend beim Essen neben einander ging es Wolfhard durch den Kopf.

Wolfhard konnte den Gedanken nicht beenden als der Graf auf ihn zuschritt.

„Wolfhard reite für mich nach Reichenhall und frag Dietmar den Fuhrmann ob er uns mit einen Fuhrwerk nach Würzburg begleiten kann“, beauftragte Luitold seinen Knappen.

Wolfhard goss sich einen Eimer Wasser über den Kopf und streifte sein Hemd über. Er lief zum Stall und im Laufen pfiff er nach Farouche.

„Wir müssen nach Reichenhall“, sagte er beiläufig zu seiner Wölfin und sattelte sein Pferd.

Das Pferd hatte er auch von Luitold nach der Knappen Zeremonie bekommen. Er war ein tiefschwarz Wallach mit einer weißen Blässe ein Sohn von Cäsar. Er war zwar nicht so gewaltig groß wie sein Vater aber doch ein stattliches Pferd. Wolfhard hat ihn Casper genannt, wegen seiner Verspieltheit. Wolfhard sprang in den Sattel

„Auf nach Reichenhall“ johlte er und galoppierte zum Burgtor hinaus, Farouche lief hinterher.

„Meinst du das war eine gute Idee ihn zum Knappen zu machen?“ feigste Thomas und stupste Luitold mit dem Ellenbogen gegen den Arm.

„Vielleicht“ sagte Luitold und verdrehte die Augen.

Das weiß nur Gott, dachte der Graf und ging zum Palas zurück.

Kapitel 1

Der Abschied

Am Abend in der großen Halle saßen alle Ritter mit ihren Familien und dem Gesinde an der großen Tafel. Die Halle war erfüllt vom Klang der Laute, Gelächter und dem Klirren von Krügen. Kerzen flackerten im Wachslicht, und der Duft von Braten und Rauch hing in der Luft. Graf Luitold stand auf und der Saal verstummte.

„Wie ihr alle wist, reisen wir morgen nach Würzburg. Mein treuer Freund Jakob von Thurn wird hier nach dem Rechten sehen. Ich nehme nur einige Ritter mit und natürlich meinen neuen Knappen Wolfhard.“

Der Saal jubelte die meisten klatschten.

„Ein Hoch auf Wolfhard“, riefen einige.

Der Graf hob die Hände um wieder Ruhe in den Saal zu bekommen.

„Ist schon gut“, bat der Graf.

„Lasst uns den Abend feiern und genießen.“

Justine saß dicht neben Wolfhard, ihre Augen funkelten im Schein des Feuers. Sie lächelte Wolfhard an, während ihre Fingerspitzen den Stoff seines Ärmels streiften.

„Du bist still heute“, flüsterte sie.

 Während sich die Stimmen am Tisch in ein großes Durcheinander mischten. Wolfhard zuckte leicht mit den Schultern.

„Ich denke an morgen.“

Justine legte ihre Hand auf Wolfhards Oberschenkel. Wolfhard schaute verstohlen unter den Tisch, weil er im ersten Moment dachte Farouche hätte ihre Schnauze auf seinen Schenkel gelegt.

„Was machst du da!“ fragte Wolfhard erschrocken.

„Nichts“, antwortete Justine teilnahmslos.

„Deine Hand liegt auf meinem Bein“, flüsterte er.

„Soll ich sie woanders hinlegen?“

Ihre Hand wanderte langsam in Richtung seines Schritts.

„Nein!“, sagte er aufgebracht und schob ihre Hand von seinem Bein.

„Was ist mit dir Los“, flüsterte er unsicher.

„Das ist unser letzter gemeinsamer Abend, morgen ziehst du in den Krieg“, flüsterte Justine traurig.

„Ich ziehe nicht in den Krieg, wir reiten zu einem Turnier“, sagte er etwas lauter als er wollte.

„Was ist mit euch los, wenn ihr streiten wollt geht raus“, schimpfte Thomas leise und schüttelte den Kopf.

Justine stand auf, ganz heimlich, und zog Wolfhard mit sich.

„Ich wollte dir noch etwas zeigen… draußen.“

Durch einen Seitengang verließen sie die Halle, traten hinaus in die kühle Nacht. Über ihnen funkelten die Sterne, der Burghof lag still, nur das entfernte Wiehern eines Pferdes war zu hören. Justine ging voraus, vorbei am Stall, durch einen kleinen Torbogen in den alten Kräutergarten.

„Ich komme oft her, wenn ich allein sein will“, sagte sie leise und blieb vor einer Steinbank stehen.

Wolfhard trat zu ihr. Ihre Nähe war plötzlich greifbar. Kein Wort fiel. Nur ihr Atem, das Flattern eines Nachtvogels und das laute Schlagen seines Herzens.

„Du reitest morgen fort…“, sagte sie schließlich.

Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch. Er nickte.

„Ja.“

Sie hob die Hand und legte sie auf seine Brust, direkt über seinem Herz.

„Dann nimm etwas mit von mir.“

Wolfhard zögerte, aber seine Hand fand die ihre. Er beugte sich leicht vor, ihre Stirn berührte seine. Für einen Moment standen sie nur so da, die Stirn aneinander, die Augen geschlossen.

„Du musst mir nicht versprechen, dass du zurückkommst“, flüsterte sie.

„Aber du musst wissen, dass ich auf dich warte.“

Wolfhard schluckte. Worte wollten nicht kommen, aber seine Hand drückte ihre leicht. Dann löste sie sich langsam von ihm, drehte sich um und ging leise zurück durch den Torbogen. Er blieb noch einen Moment im Dunkel stehen, bevor er ihr folgte. Der Abend verging schneller, als ihm lieb war…

„Hey da“, rief eine befehlsgewohnte Stimme.

Wolfhard erkannte die Stimme, es war Thomas.

Das hat mir gerade noch gefehlt, dachte er und blickte sich verstohlen zum Kräutergarten um.

Er wusste das Justine die Abkürzung durch die Kapelle und dann durch den Palas nehmen wollte. Thomas saß mit einigen Knappen und Soldaten vor der Wachstube. Das Feuer im Burghof flackerte ruhig gegen die kalte Nacht. Es war der letzte Abend vor dem Aufbruch nach Würzburg.

„Hast du Justine gesehen, ihr seid so schnell aus der Halle verschwunden, habt ihr euch gestritten?“ fragte Thomas.

„Nein, Justine war traurig das wir morgen fortreiten, sie sagte, sie wollte in der Kapelle noch für eine gute Reise beten. Sie hofft das wir heil wieder zurück kommen“, antwortete Wolfhard.

Er hoffte das Thomas nicht sein hochrotes Gesicht sah.

„Ist schon gut Junge, setzt dich noch etwas zu uns und trink einen Krug Bier mit uns“, lud Thomas ihn ein.

Ein paar Knappen saßen dicht um die Glut, unter ihnen auch Iwo. Farouche lag zusammengerollt an seiner Seite, die Ohren zuckten im Feuerschein. Wolfhard setzte sich neben die beiden. Farouche drehte sich und legte Wolfhard die Schnauze auf den Schoß. Iwo schaute Wolfhard fragend an, weil Farouche sich von ihm abgewandt hatte. Wolfhard grinste und zuckte mit den Schultern. Thomas, der alte Schmied und Kämpfer, hatte seinen Platz auf einem Hocker bezogen, das Gesicht von Flammen und Erinnerungen erhellt. Thomas nahm einen Schluck aus seinem Krug, brummte, und sah dann mit einem Glimmen in den Augen auf.

„Erzähle uns eine Geschichte über Turniere“, bat ein Knappe.

Thomas dachte einen Moment nach.

„Das ist bestimmt schon dreißig Jahre her“, begann er.

„Auf dem Turnier zu Bamberg. Ein Aufgebot von Rittern, wie ich es seither nie wieder gesehen habe. Aus dem Elsass, aus Bayern, sogar zwei Ritter aus Burgund.“

Die Knappen beugten sich vor. Wolfhard legte den Arm um Farouche, die leise schnaufte.

„Ich war jung, voller Stolz und Dummheit. Mein Pferd hieß Griffo, ein Höllenbiest. Im Tjost trat ich gegen einen Riesen aus dem Frankenland an. Er hatte mich aus dem Sattel gestoßen, aber ich war nicht bereit aufzugeben. Im Buhurt stand ich wieder vor ihm. Mit zerschrammtem Schild und zitternden Knien.“

„Und dann?“ fragte Wolfhard leise.

Thomas schmunzelte.

„Ich habe zwar keine Preise gewonnen, aber dafür das Herz einer Magd, die mir später den Verband wechselte. Gelächter ging durch die Runde. Selbst Farouche hob den Kopf und jaulte leise.

„Hört gut zu“, sagte Thomas dann ernster.

„Ein Turnier ist kein Krieg, aber es prüft euren Mut. In Würzburg wird keiner Nachsicht mit euch haben. Reitet mit Stolz, kämpft mit Herz und haltet euch aus dem Weg, wenn ein Burgunder reitet.“

Die Jungen nickten ehrfürchtig. Wolfhard lächelte, nicht mehr ganz der Junge, der er vor wenigen Wochen noch gewesen war. Über ihnen spannte sich der Sternenhimmel wie ein stiller Zeuge kommender Taten.